Appetithappen: Phoenix, Düsseldorf

DSC_8744High price in the high rise – die Preise im vor einem guten halben Jahr eröffneten Restaurant Phoenix im Dreischeibenhaus in Düsseldorf sind nicht von schlechten Eltern. Zum Glück existiert zum Ausprobieren neben der normalen Karte ein günstigeres Mittagsangebot. Für mich ist das durchaus ein probates Mittel zur ersten Bestandsaufnahme: Wer sich beim abgespeckten Lunchprogramm Mühe gibt, macht sich für einen abendlichen Besuch interessant. Rückschlüsse auf die Gesamtqualität der Küche sind freilich nicht möglich.Ich gebe zu, dass ich skeptisch bin. Die Berichterstattung über die Restauranteröffnung fand eher im Ressort Stil und in Architektur und Design affinen Publikationen statt. Natürlich prägt das elegante Hochhaus, das einst für den Montankonzern  Phoenix-Rheinrohr AG Vereinigte Hütten- und Röhrenwerke errichtet wurde (daher der Restaurantname) und lange Jahre Thyssen gehörte, das Stadtbild. Die Sanierung und die Inneneinrichtung – kurz: as seen in Mad Men mit einem Twist Moderne – sind gewiss geschmackssicher sowie cool und einer Erwähnung wert, mich interessiert aber in erster Linie das Essen. Und darüber hatte ich bei Gotorio neben einer herrlichen Beschreibung der Düsseldorfer Hautevolee als “Düsseldorf-typischen Panoptikums” nicht unbedingt Positives gelesen. Vom anderorts erwähnten Fotografie-Verbot konnte ich augenscheinlich nichts feststellen. Read More

Dr. Kosch (vormals Bread & Roses), Düsseldorf

DSC_2819The boys are back in town! Zurück! Schön, dass sie wieder da sind! Sie konnten es nicht lassen und haben einen coolen Laden geschaffen: Die Gastrobar Bread & Roses. (Update vom 10.05.2017: Umbenennung aus Markenschutzgründen in Dr. Kosch). Die Rede ist natürlich von Volker Drkosch und Michael Noack. Gut eineinhalb Jahre sind vergangen, seit Küchenchef Drkosch das Victorian verließ, und beinahe ein Jahr lang bereicherte auch der Elder Statesman unter den Gastgebern und Sommeliers, Michael Noack, nicht mehr die Düsseldorfer Gastroszene.DSC_2835Richtig weg waren sie aus Düsseldorf natürlich nicht. So konnte man den Wahl-Düsseldorfer Drkosch, der – ja, ja die Liebe – seinen Lebensmittelpunkt in der Landeshauptstadt beließ, auf seinem Kiez treffen. Wenn er seine kulinarischen Ideen bei einem Heißgetränk in Olga Sabristovas Die Kaffee plante oder wenn er bei den Bauern auf dem klasse Erzeugermarkt am Kolpingplatz einkaufte. Netzwerke spielen auch bei seiner Neueröffnung eine Rolle…DSC_2833…und noch am Mittag vorm abendlichen Restaurantbesuchs kauft Drkosch beim Bio-Kräutergärtner Thees frisch für den Abend ein – ich bin gespannt, was er aus Asia-Salat, Wasabikraut, Blüten und Rettichkresse später auf die Teller und in die Schüsseln bringt. Die Kaffeebohnen im Bread & Roses stammen vom oben genannten Lieblingscafé und Metzger Udo Erkes aus Glehn probiert am Abend nicht nur die Neueröffnung aus, sondern liefert auch Fleisch aus eigener Zucht vom Schwäbisch-Hällischen Schwein und vom Roten Höhenvieh. Auch das Pempelforter Hochzeitsdreieck spielt eine Rolle: Von der Lebensgefährtin (Blumenhaus am Hofgarten) stammen die geschmackvollen Blumenarrangements, für das Porträt auf der Menükarte sowie die großformatigen Photographien zeichnet sich Klaudia Taday von Fotografie am Hofgarten verantwortlich und aus der Pâtisserie Passion hat der Küchenchef sich Antonia Majunke ins Boot geholt. Read More

Nenio, Düsseldorf

“Because something is happening here / But you don’t know what it is / Do you, Mister Jones?”, fragte Bob Dylan in Ballad Of A Thin Man. Das ist jetzt weit hergeholt, aber hätte er mir diese Frage in Bezug auf Düsseldorf gestellt, hätte ich eine Antwort parat. Tja, irgendetwas passiert hier im Dorf und ich weiß, was es ist. Beinah binnen eines Monats gab es eine interessante Neueröffnung nach der anderen. Volker Drkosch ist mit seinem Bread & Roses wieder aufgetaucht, Alexandre Bourgueil mit seinem Bistro Fatal zurückgekehrt und Bastian Falkenroth hat seine gastronomischen Unternehmungen um das Nenio erweitert.DSC_2731Vergleiche hinken und ebenso wie sich Mister Dylan auch mit nunmehr 75 Jahren auf dem Buckel nicht über eine kulinarische Bestandsaufnahme der Landeshauptstadt informieren wollte, sind Rufe à la “Wie das Nobelhart & Schmutzig!” oder “Der macht jetzt auf Kevin Fehling!” in Zusammenhang mit dem Nenio unpassend. Nur weil es in Berlin und Hamburg auch eine Theke gibt, an der die Gäste zum Essen und Trinken Platz nehmen, bleiben es Restaurants völlig anderer Couleur: bei den einen ist es brutal lokal, bei dem anderen hochkomplexe Dreisterneküche in recht spektakulärem Ambiente.DSC_2773Zurück zum Nenio: An der in U-Form um einen kleinen Küchenblock gebauten Theke finden bis zu 15 Personen Platz. Das Nenio erhebt die Exklusivität eines Chef’s Table, der schon zuvor in Falkenroths Küche zum Inventar gehörte, zum Konzept. Dafür wurde von der großen Küche ein Bereich abgetrennt. Der Rest der großen Küche dient noch immer zur Vorbereitung und beschickt vor allem das Café Uhlenbusch (tagsüber) und das weiterhin betriebene U.das Restaurant (abends). Im neuen Teil halten schwere Vorhänge die Lichter der Großstadt und neugierige Blicke fern. Das dunkel gehaltene und schummerig beleuchtete Interieur lässt ein wenig – etwas überspitzt formuliert – Dark-Room-Feeling aufkommen. Ich hätte es gerne heller. Klar, zum Fotografieren (ein Hoch auf Adobe  und besonders weil ich mein Essen in allen Details sehen mag.  Read More

Borkonyha Winekitchen, Budapest, Ungarn

DSC_2378DSC_2369“Bilder, wir brauchen positive Bilder!”, könnte es durch das zuständige Ministerium geschallt haben. Schließlich könnte die Außendarstellung Ungarns in Zeiten der Flüchtlingskrise und mit einem umstrittenen Ministerpräsidenten besser sein. So wurde ordentlich Geld in eine große und runde Veranstaltung namens Bocuse d’Or Europe 2016 hineingesteckt, deren Schauplatz Budapest war. In einer riesigen Messehalle fand die  europäischen Ausscheidung statt, um die Kandidaten für das große Finale 2017 in Lyon, der Heimat von Paul Bocuse, zu finden. Und der Ungarische Teilnehmer, Tamás Széll aus dem mit einem Michelinstern ausgezeichnetem Budapester Restaurant Onyx hatte offenbar ordentlich trainiert und nutzte seinen Heimvorteil zum durchaus überraschenden Sieg. So gab es am Ende Jubelbilder und wahrscheinlich an höchster offizieller Stelle freudestrahlende Gesichter.DSC_2605

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OLYMPUS DIGITAL CAMERADSC_2608Das Image ist wichtig. Ungarn lebt natürlich auch vom Tourismus und neben dem Ferientreiben am riesigen Binnensee Balaton gibt es mit Budapest eine Hauptstadt, die Touristen anzieht. Bei meinem Besuch waren viele Amerikaner und Asiaten dort: es lockt die übliche charmante Mixtur aus dem verfallenden Gestern und dem Einzug der Moderne. Bei letzterer stellt sich – wie so oft – manches Mal die Frage, ob die Halbwertzeit bis zur Vergangenheit und zum Scham nicht immer kürzer wird. Einige Bauwerke des Brutalismus sind geradezu als Paradebeispiele zu finden.  Aber geht es hier jetzt eigentlich nur um Politik und Stadtentwicklung? Read More

Bistro Fatal, Düsseldorf

Back to the roots – das gilt zunächst einmal für das heutige Format dieser Restaurantkritik bei Stef’s Table: keine Fotos, no pictures, pas des photos! Und im Weiteren, haben nicht Fotos im Food-Bereich zu große Bedeutung erlangt? Ist es nicht so, dass sich manchmal der Geschmack gar der Optik unterordnen muss, bewusst oder unbewusst? Dafür gibt kleine Helferlein, Stichwort Texturgeber, ob sie nun Basic Textur, Biozoon und nur Agar-Agar oder Gelatine heißen: sie sorgen oftmals für gutes Aussehen, kosten aber in meinen Augen Geschmack. Fleisch, Fisch und Gemüse wachsen schließlich auch nicht symmetrisch und man kann das in Form bringen gehörig übertreiben – die höchste Ausprägung sind rechteckige Fleischstücke. Und kann man von der Optik eines Gerichts auf den Geschmack schließen? Mitnichten, was hammergeil und appetitanregend aussieht, kann banal schmecken. Auf der anderen Seite kann ein Gericht überaus köstlich sein, obwohl es optisch erst einmal bescheiden daherkommt. Das Optimum ist natürlich erreicht, wenn beides zusammengeht und der der Optik geopferte Verschnitt zumindest noch sinnvoll in Brühen und Fonds wandert. In aller erster Linie geht es um den Geschmack. Auch ich muss mich immer wieder erinnern, mich nicht blenden zu lassen

Jetzt sind es reiner Zufall und Schicksal, dass gerade das jüngst in Düsseldorf-Flingern im ehemaligen Chat Noir eröffnete Bistro Fatal unbebildert bleibt. Die Erklärung ist banal. Wir mussten unsere Wohnung wegen schmutzintensiver Elektroarbeiten kurzzeitig gegen ein Hotelzimmer tauschen, die Kamera blieb staubgeschützt eingepackt zuhause und dafür hatten wir die beinahe zweijährige wilde Hilde im Schlepptau, die zwar gerne isst, aber nicht lange stillsitzen mag. Read More