La Trinité Mibrasa Weißblaune BelgischeDas unaufhaltsam nahende Jahresende ist auch die Zeit für Listen. Dabei lassen sich Antworten auf noch so absonderliche Fragestellungen in Top Fives quetschen. Beim kulinarischen Äpfel-Birnen-Vergleich heißt das, die besten Restaurants, die tollsten Weine und die herausragendsten verspeisten Gerichte zu benennen. Die mir so noch nicht gestellte Frage zum besten Fleischgang des Jahres könnte ich ohne zu zögern beantworten.

Ich hatte feuchte Augen, als ich im La Trinité in Sluis die Weißblaue Belgische mit Gänseleber-Crouton, Sellerie, Schalotte, Trüffel, Pommes Pont-Neuf und Rotwein-Jus vom mit Holz befeuerten Mibrasa-Grill probierte. Das passiert mir für gewöhnlich im Restaurant eher selten, denn bei Sprüchen wie “Fleisch ist mein Gemüse” oder “Steak ist Gottes Entschuldigung für Brokkoli” stimme ich nicht begeistert ein oder eine Beef löst keine Erregungsstürme aus. Es kamen ein paar Dinge zusammen. Präsenter Fleischgeschmack gepaart mit dienlichen, aber nicht dominierenden Grillaromen. Zartheit und Biß. Bei der im weiteren Sinne an Tournedos Rossini angelehnten und um Mächtigkeit erleichterten Garnitur blieb jede Zutat blieb schmeckbar. In Kombination entstand ein spannender Wohlgeschmack, der durch eiskalte Gänseleber an Tiefe und zugleich Transparenz gewann. Und es war genau soviel auf dem Teller, um sich in das Gericht hineinzuschmecken, aber nicht der fleischlichen Dekadenz zu verfallen. Heilige Dreifaltigkeit!Außenansicht La TrinitéLa Trinité Privat DiningVielleicht noch ein paar Worte zum Restaurant. Das Restaurant La Trinité liegt in der Provinz Zeeland, der Sternehochburg im südwestlichen Zipfel der Niederlande unmittelbar an der Grenze zu Belgien. Der Ort heißt Sluis und bei kulinarisch Interessierten läutet beim Namen natürlich ein Glöckchen. Sergio “Superstar” Herman übte mit seinem legendären Oud Sluis von dort jahrelang bis zur Schließung riesigen Einfluss aus. Einfluss, der weit über die Grenzen der auch wegen ihm prosperierenden niederländische Gastronomie hinausgeht.

Das La Trinté existiert seit 2005 und wird von Küchenchef François de Potter und seiner Frau Evelyne im Service betrieben. Seit Erscheinen des Guide Michelin 2011 hält das Restaurant einen Stern. Vor drei Jahren zog das Restaurant innerorts in eine ehemalige Bank-Filale der ABN Amro am Kai um. Das von außen schmal wirkende Restaurant öffenet sich nach hinten. Auf einen loungigen, etwas kühl-stylishen Barbereich, wo der Aperitiv nebst Snacks serviert wird, folgt ein hübsch eingerichtetes Restaurant mit einer kleinen Terrasse für sonnige Tage. Spektakulär ist der Gang in den Keller: Im ehemaligen Tresorraum hat sich de Potter, der eine klassiche Ausbildung im Scholteshof durchlief, sein Reich aus Weinkeller, Kochbuchbibliothek und Bar eingerichtet – an dem Tisch dürfen natürlich auch Gäste für ein Private Dining Platz nehmen. In den ehemaligen Schließfächern lagern vinophile und bibliophile Kostbarkeiten.La Trinité SnacksVielleicht lag es auch an meinem spontanen walk-in an einem der seltenen Regentage in der Urlaubsregion, dass zumindest im Barbereich der Funke nicht gleich übersprang und ich die Atmosphäre als etwas unterkühlt wahrnahm. Das gilt nicht für die Snacks: einem fluffigen, aber sehr süßen Mirin-Soja-Macaron, der herzhaften Hühnerhaut mit Erdnussdipp und dem Cornetto mit Langoustine-Tatar und Wasabi-Quinoa-Schaum.La Trinité VorspeiseLos geht das Menü mit marinierter Artischocke, Mojama de atún, Hummus, Mandelolive, Feta, Zatar und Pide. Was klingt wie ein wildes mediterran-.orientalisches Potpourri schmeckt stringent, klar und dabei interessant. Das leichte Kichererbsenpüree erinnert an ein Aioli und kleistert den Geschmack nicht zu. Der luftgetrocknete, marinierte Thunfisch ähnelt  einem Schinken mit Bottarga-Anklängen. Der dazu servierte Grüne Veltliner von Meinklang hilft dieser ungewöhnlichen Vorspeise zusätzlich auf die Sprünge.La Trinité SteinbuttBeim Steinbutt mit La Ratte-Püree, geräucherter Sahne, Spitzkohl, Haselnuss, Steinpilz und Pimpinelle geht es eine Stufe deftiger zu, bleibt aber jederzeit differenzierbar. Zum Reinlegen ist das Kartoffelpürree, weil es nicht nur herrlich butterig-cremig ist, sondern auch intensiv schmeckt. Lekker eten: defitg, aber leicht, rustikal und dennoch elegant.La Trinité

Nach dem bereits beschriebenen Fleischgang folgt ein herbes und fruchtiges Cassis-Sorbet, das mit ein wenig Limoncello beschwippst wird. Sehr erfrischend.La Trinité Snickers Dessert

Es ist ja durchaus populär, Desserts an Schokoriegel anzulehnen. Bei diesem Snickers wünschte man sich, die Verantwortlichen von Mars kämen mal vorbei und probierten. Die Kombination aus Tonkabohne-Eiscrème, Schokolade, Erdnuss und einer Salz-Karamell-Crème, deren Aufschlagen à la minute im Restaurant zu hören war und deren Frische man auch schmeckt, ist besser als das Orginal. Sogar als Snickers nicht nur süße und klebrige Masse war, konnte es da nicht heranreichen. Toll! La Trinité Rotwein

Ein ausgezeichnetes Mittagessen. Dabei ragten das Fleischgericht und das Dessert heraus. Ausnahmsweise findet hier explizit der Preis Erwähnung. Denn das alles – und das ist beachtlich, weil es das Abendmenü war – für 65 € für das hier beschriebene fünfgängige Menü und 35 € für die gut abgestimmte Weinbegleitung. Im Restaurant von einem ausgesprochen kompetenten und freundlichen Service serviert. Um einen Käsegang, weitere dicke Pommes und einen Kaviar-Gang (warum auch immer) hätte sich das Ganze noch zu einem vernünftigen Kurs erweitern lassen.

Die Ausgangslage ist klassisch und von dort kocht de Potter modern, inspiriert und äußerst schmackhaft auf. Die Gerichte haben große Harmonie, langweilen aber an keiner Stelle. Zeeland und die Niederlande sind immer wieder für positive Überraschungen gut.Tresor

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