Falco, Leipzig

Hotel The Westin Leipzig Koch Peter Maria Schnurr Restaurant Falco Leipzig zweiSterne im Guide Michelin Kitchen Impossible Vox Roland Trettl.Das Hotel, das heute The Westin Leipzig heißt, prägt als Musterbeispiel des Brutalismus, gepaart mit Höhe und roter Leuchtschrift, noch immer das Bild der größten Stadt im Freistaat Sachsen mit. Es hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Zu DDR-Zeiten zur Leipziger Frühjahrsmesse 1981 als Interhotel Merkur eröffnet, beherbergte das Betonungetüm natürlich viele ausländische Gäste – mit dem “Sakura” gab es nach “Sushi in Suhl” sogar das zweite japanische Restaurant des Landes. Das ergibt Sinn, da eine japanische Firma für das Projekt zuständig war. Während die Außenfassade vom großen westdeutschen Baukonzern Dyckerhoff & Widmann AG hochgezogen wurde, waren dann Volkseigene Betriebe mit dem Innenausbau beschäftigt. Nun, es wurden offensichtlich nicht nur Anlagen zur Beschallung mit Fahrstuhlmusik eingebaut. Gewiss gab es für die Stasi Interessantes oder, vielleicht treffender, Protokollierbares für die Akten zu hören: ausländische, einsame (Messe)Gäste, eine Hotelbar, junge Damen – they met in a bar, that’s the way some stories are…Hotel The Westin Leipzig Koch Peter Maria Schnurr Restaurant Falco Leipzig zweiSterne im Guide Michelin Kitchen Impossible Vox Roland TrettlJetzt aber endlich der Bogen zum Essen im heute in der 27. Etage mit Fernblick über Leipzig beheimateten Restaurant Falco. Das beginnt mit der Reservierung. Online lassen sich ausschließlich Tische für zwei Personen reservieren. Da nur eine Person zu speisen gedenkt, wird dieses Anliegen mit zwei Terminen, und nichts weiter, per Email an das Restaurant gerichtet. Ausgebucht, lautet die freundliche und bündige Antwort. Kein Problem, man möge doch einfach, gerne auch kurzfristig Bescheid geben, falls sich durch Tischabsagen etwas tue. Eine weitere Antwort blieb aus. Wenige Tage vor der Reise in den Osten sind Tische für einen der Abende reservierbar, erneut natürlich für zwei Personen. Wie es denn nun mit einer kurzfristigen Reservierung aussehe, so der erneute Versuch, mit dem schon ein latentes Bittstellergefühl einhergeht, übrigens gedenke man ja gar nicht in ehemaliger, noch im Internet auffindbarer Rolle oben im Restaurant, nah an den Sternen, zu fressen. Eine Antwort blieb aus. Anstatt es gut sein zu lassen, folgt nun die Online-Reservierung unter dem Namen der Commis, nachdem die halbe Portion bei Oma untergebracht ward – für Zwei zu reservieren und am Tisch den spontanen Ausfall einer Person zu bedauern, stand nicht zur Debatte.

Hin und hergerissen zwischen Trottel und Profi geht es mit dem VIP-Aufzug inkognito direkt ins Kurztristziel der Träume. Die Decken sind niedrig, die Fenster gedrungen, der Blick über Leipzig ist aus knapp 100 Metern Höhe nett, dabei ist das nächtliche Treiben so wenig spektakulär wie Bielefeld Manhattan ist. Nach Passieren der Bar und des großen Gemeinschaftstisches folgt das Restaurant, in dem alle Ledersessel gen Ausblick ausgerichtet sind. Die Mischung aus Hotelcharme mit dunklem Holz, Wellness-Oase und modernen Elemtenten, wie den auffälligen weißen Tischen, und einem Bild an der Wand, das den 47-jährigen Küchenchef als Falken (ital. Falco; die nisten in luftiger Höhe des Hotels) über Leipzig fliegend zeigt, ist gelungen; weitere Details, wie die roten, gemusterten Teppiche verschwimmen im schummrigen Licht.

Passend zum Sondereinsatz ohne Schlapphut gibt es ein “Spezial”-Menü, das aus den beiden Menüs von Peter Maria Schnurr, die der gebürtige Schwarzwälder Cuisine Passion Légère nennt, zusammengestellt ist. Bei den fünf Gängen gibt es bei der Vorspeise – nicht nur hier entpuppt sich die Zweisamkeit als Vorteil – noch eine Auswahloption. Dazu wird ein Gericht der ziemlich kostspieligen à la carte-Auswahl geordert, das auf Menügröße und fairerweise- preis angepasst wird.

Und nach ein paar Worten zum Küchenchef wird endlich das Essen ausschließliches Thema sein. Peter Maria Schnurr ist seit 2005 verantwortlich für die Küche im Falco. Das Restaurant erhielt 2008 als erstes Restaurant in den neuen Bundesländern den zweiten Stern. Im Gault Millau 2016 wurde Schnurr als “Koch des Jahres” ausgezeichnet. Seine Ausbildung und Stationen sind, unter anderem vom Hirschen in Sulzburg, dem Waldhotel Sonnora und dem Im Schiffchen in Düsseldorf, klassisch geprägt.

Hotel The Westin Leipzig Koch Peter Maria Schnurr Restaurant Falco Leipzig zweiSterne im Guide Michelin Kitchen Impossible Vox Roland TrettlAls vetrauensbildene Maßnahme fährt der Service alsbald eine schöne Einstimmung zum Blanc de noir 2013 Sekt brut vom Weingut Born in Höhnstedt, Saale-Unstrut auf. Eine Weinregion, die man aufgrund des kühlen Klimas nicht unterschätzen sollte. Ber der gesamten Auswahl fällt ein klarer und natürlicher Geschmack auf: Hamachi von der Gelbflossen-Makrele mit Norialge, Limettenmayo, rotem Shisoessig; roher Senfkohl mit einem Erdnuss-Harissa-Crème-Dipp, asiatischer Salat aus Takuwan (eingelegter jap. Rettich), Gartengurke, rosa Pfeffer und Sushi-Ingewer; dehydriertes Karotten-Haselnuss-Brot, das korrekterweise eher ein Küchlein ist und wunderbar zum Jalapeño-Joghurt mit Nashi-Birnen und Norialgen-Staub passt, der Riesengarnele “Gamberoni die San Remo” mit Mayo und Chili con carne-Gewürz, Sepiacracker mit Miso-Joghurt und Lakritzalge; Prunier Imperial Kaviar mit Crème cru und abgeschmeckt mit Limequat; Kräuterseitling mit Maronencrème, Apfel-Balsamessig, Birne und scharfer Hausfrauenkresse. Das belastet nicht mit zugespitzter Intensivierung durch Salzigkeit und Süße, sondern wirkt appetitanregend – abwechlungsreich, präzise, toll! Read More