One guy in Paris

Je suis arrivée enfin. Lebhaft wäre ein untertriebenes Adjektiv für den Trubel, der in der Five Guys Filiale mitten am berühmten Pariser Prachtboulevard Champs-Élysées herrscht. Doch die Abläufe scheinen zu stimmen und ausreichend Personal ist vorhanden, so dass ich schnell mit meiner Bestellung an der Reihe bin. Nach kurzer Wartezeit wird anschließend meine Nummer (“Trente-deux!”) aufgerufen – endlich haben sich zwei Jahre Französisch in der Schule mal gelohnt – und ich verziehe mich mit meiner in einem Pappbeutel verstauten Beute in die erste von zwei weiteren Etagen zum genüsslichen Essen. Denn auf den ersten Biss in einen der saftigen Burger habe ich mich schon länger gefreut…

Do look back. Ich bin wirklich zum Burgeressen mit dem Thalys nach Paris gefahren. Mit der schnellen Direktverbindung wollte ich von Düsseldorf schon immer mal nach Paris reisen. Da kam doch die fixe Idee, Five Guys wegen einer Begebenheit in London zu besuchen, gerade recht: Wir waren bei einer der seltenen Shows der schottischen Band The Bathers im Lexington. Auf dem Rückweg regnete es in Strömen und wir hatten noch Hunger. Kurz vorm Bahnhof King’s Cross stiegen wir aus dem Bus und erreichten triefend eine Insel der Trockenheit und Gastlichkeit – Five Guys. Nur, dass ich da in diesem Moment gar nicht darauf geachtet hatte.

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ProWein 2017: Günther Jauch ist einfach da.

Im Jahr 2011 war es noch eine Sensation, dass Fernsehstar Günther Jauch auf der Weinmesse ProWein in Düsseldorf die Weine seines gerade übernommenen Saar-Weingutes von Othegraven präsentierte. Als Antwort auf die Frage “Wo ist Günther Jauch?“, die mir damals ein hektischer Pressefotograf stellte, beginnt dieser Bericht mit dem Winzer. Sechs Jahre später steht der sympathische 60-Jährige wie andere Winzer auch hinter seinem schmalen Stand im Gemeinschaftsbereich der VDP.Prädikatsweingüter in Halle 14. Für größeren Auftrieb sorgten andere: Am ersten Messetag promotete der Musiker Sting mit einer kleinen Performance von “Message in a Bottle” sein toskanisches Weingut Il Palagio.

Jauch ist mittlerweile als Winzer angekommen. Natürlich erkennt man ihn und für ein schnelles Foto hat er sich in Sekundenschnelle lächelnd in Pose gestellt. Ganz der Profi eben. Überhaupt ist beim dem Zusammenschlusse von Spitzenerzeugern wieder die richtig viel los: Deutscher Wein boomt und gerade die Grand Cru-Klasse, die Großen Gewächse, sind sich stets Aufmerksamkeit gewiss. Auch in den anderen “deutschen” Messehallen ist gewohnt am meisten los beim Weinmesse-Heimspiel.

Ich besuche natürlich meinen indirekten Kunden Mumm-Sekt, für deren Blog ich für Kpunktnull schreibe, am Stand der Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien. Es gibt Neuigkeiten: Aktuell kommt die Art-Edition in die Geschäfte. Das Flaschendesign der Mumm Jahrgangssekte Dry, Extra Dry und Rosé Dry wurde vom sympathischen finnischen Designer und Illustrator Kustaa Saksi gestaltet, dessen signifikanter Stil („graphic storytelling“) mit knalligen Farben und phantastisch-betörenden Mustern mir gerade von seiner Arbeit für Marimekko bekannt ist. Dazu gibt es auf der Messe schon den Mumm Dry Alkoholfrei zu probieren, der demnächst in den Verkauf gelangt. Read More

La Terrazza, Düsseldorf

Es gab eine Zeit, in der Spesen noch sehr großzügig gehandhabt wurden: Bring einen Bewirtungsbeleleg und alles ist okay. Diese sehr mitarbeiterfreundliche Regelung meines damaligen Arbeitgebers brachte ich mit meinem Kollegen Olli ins Wanken, als wir eines Mittags ins an der Düsseldorfer Königsallee gelegene La Terrazza einkehrten und mit einer gepfefferten Rechnung zurückkehrten. Zugegeben, das war impertinent, doch wir waren jung und die Geschäfte liefen für diese Firma zumindest damals noch gut.

Etwa 17 Jahre später betrete ich erneut den etwas versteckt gelegenen Aufzug, der mich und die Commis in die Restaurantetage bringt. Das Restaurant residiert unter seinen langjährigen Inhabern seit 20 Jahren in exponierter Kö-Lage in oberster Etage eines dreistöckigen Gebäudes im Ensemble des Kö-Centers. Darunter befand sich bis zur Schließung das legendäre Modehaus Eickhoff und nun mit Dior ein nicht minder berühmter Mieter.

Eine spontane Entscheidung, da das Yoshi by Nagaya ausgebucht ist und Berens am Kai am Samstagmittag leider nicht geöffnet hatte. Dafür hatte ich im Hinterkopf, dass seit einem guten halben Jahr im La Terrazza mit Tobias Hammes ein neuer Küchenchef am Herd steht, der einst mit dem Regalido in Meerbusch einen guten Ruf genoss.

Das Restaurant ist mit seinem namensgebenden, umlaufenden Balkon so etwas wie der Logenplatz über der Kö. Fensterfronten zu drei Seiten lassen herrlich viel Tageslicht ins Restaurant. Das Interieur erinnert ein wenig an einen 90er-Jahre Edelitaliener, als Terracotta-Böden noch der letzte Schrei der Toskana-Fraktion waren. Der ein oder andere Sitzbezug mag schon bessere Tage gesehen haben, und dennoch verstrahlt der große Gastraum eine beinahe zeitlose Eleganz und Gediegenheit. Das scheint zur Alterstruktur der Gäste zu passen. Es ist gut gefüllt zur späteren Mittagszeit an einem Samstag und man kennt sich. Schwellenängste wegen Düsseldorf, Kö und Co. sollte man nicht haben, eher wegen der Preise, die einen unvorbereiteten Gast dort treffen könnten, wo’s am meisten wehtut – am Portemonnaie.

Die Karte offeriert Klassiker und modernisierte Gerichte der italo-mediterranen Küche, aktuell jahreszeitlich ergänzt um Spargelgerichte. Die Vorspeise, Tatar vom Weideochsen mit Felsenaustern im Apfelgelee und Rote Bete-Püree, gehört sicherlich zu den “gewagteren” Kreationen des Speiseangebots. Das rohe Fleisch ist herzhaft abgeschmeckt und, bis auf etwas große Zwiebelstückchen, sehr delikat. Besonders die Auster verleiht dem durch Apfel und Rote Bete leicht ins Süßliche gehenden Gericht eine gewisse jodige Spannung. Guter Auftakt. Read More

Portland, London, England


There is no time Wir sind pünktlich, mit unser Ankunft fünf Minuten vor der reservierten Zeit sozusagen überpünktlich. Schon die Website und später der Kontrollanruf, ob wir denn wirklich zur verabredeten Zeit am verabredeten Ort erschienen, weisen darauf hin, dass wir für unser Dinner im Portland einen time slot von zwei Stunden hätten.

This is no time for shaking heads Das ist verständlich und das abendliche Tasting Menü mit vier Snacks und fünf Gängen sollte in dieser Zeit entspannt zu schaffen sein. Man besetzt die 45 Sitzplätze am Abend doppelt oder noch häufiger. Schließlich fällt das kleine, einladende Restaurant in einem ehemaligen Showroom für Bekleidung – gerade an einem Samstagabend – in die Kategorie: interessante Karte, nachbarschaftliche Preis und das alles mit einem darüber leuchtendem Michelinstern. Verantwortlich für die Küche hier und im Schwesterrestaurant Clipstone ist der Mittzwanziger Merlin Labron-Johnson aus Devon, der zuvor Souschef von Kobe Desramaults im In De Wulf war. Am Herd stand bei unserem Besuch Edoardo Pellicano.

Die Speisekarte liest sich neu-britisch und allgemeinen (urbanen) Trends entsprechend: viel Gemüse, gerne fermentiert, lokale Herkunft, die im Portland, wie auch der Verzicht auf emblematische Edelprodukte der Gourmetküche, die man in einer globalisierten Welt letztlich überall bekommen kann, ein wenig großzügiger ausgelegt wird – schließlich sind wir in Fitzrovia, angrenzend Marylebone, einem der besseren Stadtteile der Metropole.

This is no time for endless thought  Voll ist es im Restaurant, wuselig und eng. Wir ordern schnell zwei der Drinks, die der Service neben Schaumweinen als Aperitif empfiehlt. Auch an der Speisekarte halten wir uns nicht lange auf: soviel wie möglich in kürzester Zeit, das Menü! Kulinarisches Minimax-Prinzip.

Die ersten Snacks stehen auf dem Tisch, bevor die Cocktails überhaupt da sind. Und ja, bisher klingt es wie eine dieser furchtbaren Tripadvisor-Schilderungen eines nicht ganz glücklich verlaufenen Abends. Denn ein kurzes Warten und schon stapeln sich die Snacks auf dem Tisch. Ja, ja, die Drinks ruhig noch obenauf stellen. Wir bestellen schon mal jeweils ein Glas Wein, eigentlich hätten wäre es eine Flasche die Wahl gewesen, denn die Weinkarte ist fein. Aber so schnell sind die Aperitifs nicht getrunken. Die sind übrigens okay – einer super, einer eher naja. Read More

Bitte gib mir bitte noch einen O!

Es ist ein kalter und feuchter Dezembermorgen. Ich stehe müde und leicht fröstelnd in Düsseldorf am Bahnsteig. Um 11 Uhr habe ich einen Termin in Hamburg. War ja klar, was passiert. Mein iPhone übermittelt mir keine guten Nachrichten. Für meinen Zug nach Hamburg entfällt wegen einer Weichenstörung der Halt in Düsseldorf. Auch der nächst mögliche – wie war das nochmal mit “Es gibt immer einen Zug früher”? – ist davon betroffen.

Ein klarer Gedanke schafft es noch durch den Nebel aus Müdigkeit, Ärger und Nervosität: Vielleicht gibt’s ja noch einen bezahlbaren Flug nach Hamburg. Schließlich will ich nicht umsonst so früh
aufgestanden sein. In der Tat ist der für etwas mehr als den Preis einer Bahnfahrt in die Hansestadt zu haben. Cool, ich wollte schon immer mal spontan einen Flug buchen – okay, die Ziele waren ansonsten allerdings eher London, New York und so.

Nach Hamburg führt mich eine weitere Premiere, eigentlich sind es derer gleich zwei. Mein Ziel befindet sich im Stadtteil Winterhude im Poßmoorweg 2: Das Verlagsgebäude des Jahreszeiten Verlags. Dort erscheint Der Feinschmecker und seit Frühjahr 2016 der jüngere Ableger Foodie. Ich werde also die Redaktion des altehrwürdigen Feinschmeckers betreten. Dort nehme ich an einem Test von Orangen-Direktsäften für Foodie teil.

Foodie ist eine Mischung aus kulinarischem Lifestyle mit zeitgemäßen, zu bewältigenden Rezepten, neuen angesagten Bars und Lokalen und andern Hotspots im In- und Ausland. Zielgruppe sind im Prinzip diejenigen, denen Der Feinschmecker zu gourmetlastig ‘rüberkommt und die Beef als optisches Pendant zu fleischlastig ist. Dort nehme ich an einem Test von Orangen-Direktsäften teil. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen: eine bunt gemischte Jury und die eigene Geschmacksüberprüfung. Blindverkostung

Wein habe ich bei Weinproben oder beim originellen Gruß des Service, mit einem Wein im schwarzen Glas, im Wolfsburger Aqua schon oft blind verkostet. Das ist ungemein spannend, weil man so, frei von Etiketten, nur auf den eigenen Geruchs- und Geschmackssinn vertrauen muss. Eine Verkostungspraxis, die leider nicht bei allen Weinführern angewandt wird. Einer der heutigen Juroren, Master Sommelier Hendrik Thoma, wäre beim Erkennen von Weinen gewiss in seinem Element.

Aber es geht ja um Orangensaft. Den trinke ich gerne zum Frühstück und hatte sogar mal eine elektrische Saftpresse. Die Reinigung war allerdings im Verhältnis zum durchaus köstlichen Geschmackserlebnis sehr aufwändig. Also greife ich zumeist im Rewe ins Kühlregal und kaufe Innocent Organgensaft. Sieht gut aus, macht ein gutes Gefühl und schmeckte mir bisher. Das einstige Start-up gehört mittlerweile allerdings zu über 90 Prozent dem Coca-Cola-Konzern. Ob der Saft auch unter den Trest-Kandidaten ist und ich ihn erkenne? Read More