One guy in Paris

Je suis arrivée enfin. Lebhaft wäre ein untertriebenes Adjektiv für den Trubel, der in der Five Guys Filiale mitten am berühmten Pariser Prachtboulevard Champs-Élysées herrscht. Doch die Abläufe scheinen zu stimmen und ausreichend Personal ist vorhanden, so dass ich schnell mit meiner Bestellung an der Reihe bin. Nach kurzer Wartezeit wird anschließend meine Nummer („Trente-deux!“) aufgerufen – endlich haben sich zwei Jahre Französisch in der Schule mal gelohnt – und ich verziehe mich mit meiner in einem Pappbeutel verstauten Beute in die erste von zwei weiteren Etagen zum genüsslichen Essen. Denn auf den ersten Biss in einen der saftigen Burger habe ich mich schon länger gefreut…

Do look back. Ich bin wirklich zum Burgeressen mit dem Thalys nach Paris gefahren. Mit der schnellen Direktverbindung wollte ich von Düsseldorf schon immer mal nach Paris reisen. Da kam doch die fixe Idee, Five Guys wegen einer Begebenheit in London zu besuchen, gerade recht: Wir waren bei einer der seltenen Shows der schottischen Band The Bathers im Lexington. Auf dem Rückweg regnete es in Strömen und wir hatten noch Hunger. Kurz vorm Bahnhof King’s Cross stiegen wir aus dem Bus und erreichten triefend eine Insel der Trockenheit und Gastlichkeit – Five Guys. Nur, dass ich da in diesem Moment gar nicht darauf geachtet hatte.

Erst als wir kurz vor Toresschluss Hotdogs geordert hatten und glückselig hineinbissen, fielen mir die diversen Lobpreisungen für die Burger an den Wänden auf. Hey,  Heston Blumenthal, The Fat Duck*** in Bray, der mal mit seiner Mutter zeitgleich mit mir in einer Strandbude in Cornwall saß, sagt „They make me happy.“ Und, ach ja, ich erinnerte mich: Barack Obamas angeblicher Lieblingsburgerladen!

Für eine Burgerbestellung sei es schon zu spät, erklärte der freundlich-ausgelassene Service. Jetzt saß ich also in einer Filiale der must go Burgerkette und: dumm gelaufen. Denn es war der letzte Abend in London und in Deutschland gibt es Five Guys, trotz Europaexpansion seit 2013, als Franchise nicht. Five Guys wurde 1986 als Familienbetrieb (fünf Brüder, daher der Name) in Arlington, Virginia, gegründet. Erst lokal tätig, wurde die USA ab 2003 erobert und den bisher  etablierten Ketten das Fürchten gelehrt. Inzwischen gibt’s mehr als 1.400 Restaurants weltweit. Seit August 2016 ist die Burgerkette in Paris vertreten und somit am „nächsten“. Und für verrückte Touren bin ich zu haben.

Alors, encore une fois Jetzt habe ich also meine große Papiertüte und ergattere einen freien Tisch. Ich packe meine Tüte aus und finde: einen Cheeseburger, einen Bacon Cheeseburger und einen Bacon Cheese Dog, dazu eine Portion Pommes und Cajun Fries. Daneben stelle ich mein Bier und meinen Erdbeer-Milchshake ab. Da habe ich mir ja was vorgenommen. Obwohl die die Karte bei Five Guys übersichtlich ist, heißt das allerdings nicht, dass die Wahl einfach ist. Denn man kann aus 15 verschiedenen im Preis inbegriffenen Zutaten für seinen Burger wählen. Das ergibt ziemlich viele Kombinationsmöglichkeiten. Dann erst wird der Burger von einer Art Burger-Supervisor zusammengebastelt. Ich entscheide mich beim Cheeseburger für Salat, Gewürzgurke, gegrillte Champignons, Jalapeños und BBQ-Sauce. Auf den Bacon Cheeseburger Burger kommen Mayo, Relish, gegrillte Zwiebeln und Steaksauce.

Es schmeckt richtig gut! Ich würde die Burger, und auch die Hot Dogs, jederzeit denen der großen, global vertretenen Burgerketten vorziehen. Mit gefallen der Purismus, die Transparenz der Zutaten und der Zubereitung in der offenen Burgerbräterei und der freundlich-fröhliche, richtig motiviert erscheinende Service. Dieser ist auch für eine angenehmere Atmosphäre verantwortlich. Sogar das nachträgliche Ausdrucken eines Belegs war nach über einer Stunde überhaupt kein Problem. Die Burger überzeugen durch schmeckbare Zutaten, die nicht zu süß, klebrig oder überwürzt erscheinen. Man sollte nur mit dem Vollpacken nicht zu sehr übertreiben. Der Patty hat eine optimale Dicke und ist im Kern rosa. Das Fleisch dürfte für mein Empfinden ein wenig mehr Röst-/Grillnoten mitbringen. Auch die Buns gefallen mit und werden auf der Schnittseite angeröstet.

Ein kleines Problem entsteht durch das Verpacken der Burger in Alufolie und anschließend in eine Papiertüte. Der Burger, der zuvor beim Anrichten perekt aussah, schwitzt auf dem Weg zum Tisch und dadurch leidet insbesondere das Brot, das leider ein wenig aufweicht. Das Problem bei den Fritten ist ähnlich gelagert: auch sie werden ein wenig matschig. Dabei gefällt mir der Five Guys style gut, besser als die kräftiger und schärfer gewürzten Cajun style fries. Das Erdbeer-Milchshake ist überraschend angenehm: schmeckt nicht zu süß, wohlig cremig-eisig und hat winzige Fruchtstücke. Zu spät hatte ich erkannt, dass anstelle des geschmacksarmen Budweisers auch ein Craft Beer (Goose Island IPA) im Angebot war. Da sind manche Burgerläden ein wenig besser ausgestattet.

Für die Burger gilt das bedingt. Klar, da gibt es noch ausgefallenere Zutaten wie Blauschimmelkäse oder zusätzliche Fleischsorten, doch im tiefsten Inneren bin ich bei Fleischklopsen zwischen zwei Brötchenhälften Purist. Hippe Läden, die nur behaupten, Besser-Burger zu fabrizieren und in Wahrheit nur stylish und voller Attitüde unpräzise arbeiten, sehen im Vergleich zu Five Guys alt aus, weil hier eben ordentliche Rohstoffe, erprobt und standardisiert, verwendet werden. Die Zutatenliste von Five Guys überzeugt gerade beim Fleisch (100 Prozent Beef und nix anderes) und bei den Pommes (Kartoffeln in Erdnussöl frittiert). Und noch eine ganz persönliche Geschmacksbemerkung: es schmeckt herzhaft und ist nicht so unangenehm BBQ-süß – und es gibt, yeah, keine sweet potatoe fries

Ein paar touristische Highlights noch und ich trete gesättigt und zufrieden die Rückfahrt an. Wenn man „Five Guys Deutschland“ googlet, deuteten Firmengründungen und Jobangebote darauf hin, dass bald auch hier Läden eröffnen könnten. Nach Amsterdam, London oder eben Paris fahre ich dann binnen weniger Stunden zu anderen Restaurants – Auswahl gibt’s ja genug und verrückte Ideen auch.

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