Größe und Qualität sind kein Widerspruch

440 Hektar Weinberge gehören zur Domäne Wachau. Das beeindruckend große Weingut in Dürnstein in der Wachau ist eine Genossenschaft, die bis 2008 unter dem Namen Freie Weingärtner Wachau firmierte. 250 Winzerfamilien kümmern sich um die Weingärten, die sich auf circa 15 Kilometer entlang der Donau, ungefähr mittig zwischen Linz und Wien und unweit von Krems gelegen, schlängeln. Dazu gehören bekannte Lagen wie “Achleiten”, “Kellerberg” und “Loibenberg”. Die Reben sind alle 35 Jahre und älter, in vielen Weinbergen finden sich jahrtausendealte Trockenmauern,

Domäne Wachau Kellermeister Heinz Frischengruber 70 Prozent Grüner Veltliner und 20 Prozent Riesling werden angebaut. Die restlichen zehn Prozent verteilen sich auf mehrere Rebsorten. Vorletzte Woche sei die Vorlese gestartet, berichtete Kellermeister Heinz Frischengruber über den ungewöhnlichen heißen und trockenen Jahrgang 2018. Aktuelle gehen seine Mitarbeiter erst langsam durch die Weinberge und dann könne es ganz schnell mit der Ernte gehen.

Jedoch nicht ohne Sorgfalt, denn gesundes Traubenmaterial und Sorgfalt seien bei aller Größe von enormer Bedeutung. Die Domäne Wachau wolle die unterschiedlichen Terroirs herausarbeiten, die sich durch die vielfältigen Böden und mikroklimatischen, geographischen Unterschiede, flache Hanglagen am Donauufer bis zu höhergelegenen Steillagen und östlicheren Expositionen, ergeben.

Dazu gehöre auch, mehr ein Riesling denn Grüner Veltliner-Problem, mit Botrytis befallene Trauben herauszuschneiden und separat beim Lesen zu sammeln, um daraus Süßwein herzustellen. Man wolle schlanke, mineralische Weine erzeugen, die das Terroir widerspiegeln.

Lage, Lage, Lage: Terroir-Workshop Domäne Wachau im U. das Restaurant in Düsseldorf

Die Qualität und die Unterschiede lassen sich schmecken. Schnell wird deutlich: Größe schließt Qualität nicht aus. Die erste Gegenüberstellung von Grüner Veltliner Federspiel Ried Kollmitz 2017 und Grüner Veltliner Federspiel Ried Kaiserberg 2017 zeigt dies. Die warmen Lössböden des Kollmitz haben zu einem Wein mit Frucht und Exotik geführt, ein lauter Charakter. Der Kaiserberg ist dezenter, ja eleganter und zeigt seine kargere Steillagen-Herkunft mit Gföhler Gneis und der teilweiser Südost-Exposition. Der erste Wein macht jetzt vielleicht mehr Spaß, der Langläufer dürfte der Kaiserberg sein. Als Federspiel mit moderatem Alkoholgehalt zwischen 11,5 und 12,5 Volumenprozent und lebhafter Säure ein hervorragender Speisenbegleiter.
Terroir Verkostung Domäne Wachau Grüner Veltliner RieslingAls nächster standen sich Grüner Veltliner Smaragd Ried Axpoint 2017 und Grüner Veltliner Ried Achleiten 2017 gegenüber. Während sich der Axpoint jetzt schon mit Tabakaromen laut und zugänglich nach vorne drängelt, ist bei genauerer Betrachtung wahrscheinlich der Achleiten der Wein mit dem größeren Entwicklungspotential und somit (für mich) spannender. Konzentriert, mit Kühle in der Nase, die im ersten Moment vom hohen Alkoholgehalt zu kommen scheint. Im Mund ist der Alkohol ebenfalls durch eine gewisse Schärfe bemerkbar. Abgepuffert wird das durch einen kräftigen Körper und Bittere durch längere Maischestandzeit, bei der sich eine gewünschte Phenole entwickelte.

Dass die Lage, die Ried in Österreich genannt wird, Achleiten hervorragend ist, zeigte auch der Vergleich von Riesling Smaragd Ried Achleiten und Riesling Smaragd Ried Kellerberg. Der Achleiten hatte im ersten Moment Noten von Heftplaster, Gummi in der Nase. Dazu gesellten sich Mango und ein kräuteriger Eindruck. Ein wenig zitrussig spitz wirkten Alkohol und Säure. Sein Gegenüber vom Kellerberg schmeckte deutlich breiter, saftiger und “wärmer”. Was aus dem “Achleiten” werden kann, zeigte eine Probe aus dem kühleren Jahrgang 2001 – ein Wein mit deutlicher Riesling-Reife, doch lebhaft, animierend, also insgesamt wunderbar gereift und ein Beweis für die Lagerfähigkeit.

Hot, hot, hot: Der Klimawandel birgt beim Alkoholgehalt große Herausforderungen

Was sich bei einer länger zurückliegenden Wachau-Probe gezeigt hatte, wurde auch beim “Terroir-Workshop der Domäne Wachau in U.das Restaurant deutlich. Der Klimawandel führt zu wärmeren, teilweise trockneren Sommern und früherer Reife, was sich auch in der Wachau bei konsequent trocken ausgebauten Weinen beim Alkoholgehalt bemerkbar macht. Dem in absehbarer Zeit zu begegnen, wird sicherlich für die Winzer dort und die Domäne Wachau ein hochgradig wichtiges Thema werden. Zwar sieht das Geschmacks- uns Stilprofil der Vinea Wachau bei den Smaradgen eine späte Lese, Komplexität und einen Alkoholgehalt von mindestens 12,5 % vol. vor, doch Weißweine mit Werten von 14,5 % vol sind schon am oberen Limit, um keinen Schluckwiderstand auszulösen und den Konsum nicht nur auf ein, wenngleich (noch) sehr gutes, Glas zu beschränken. Für die Zukunft heißt das, die Trauben zwar physiologisch reif zu ernten, aber nicht bis zur Verfärbung ins Gelb-Bräunliche und Verholzung der Kerne hängen zu lassen. Da bedeutet wahrscheinlich auch, die Arbeit im Weinberg bei Schneide- und Laubarbeiten umstellen zu müssen, um nicht irgendwann im Keller ran zu müssen. Ein spannendes Thema.

Blablabla: Die Teilnahme am “Terroir-Workshop Domäne Wachau”  im U. das Restaurant erfolgte auf Einladung der Domäne Wachau.

Workshop Domäne Wachau im U. das Restaurant

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.