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Mühltalhof, Neufelden, Österreich

Ein Gesamtkunstwerk zum Niederknien

Im Mühltalhof im oberösterreichischen Neufelden kocht Philip Rachinger eine spannende naturverbundene Küche – frei von Showeffekten und Didaktik. Auf den Tisch kommt hauptsächlich, was aus dem Mühlviertel und der Umgebung stammt und Saison hat. Dabei liefern Haubenlokal und Designhotel genügend weitere Argumente für einen längeren Aufenthalt.

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Tag 1 – Ankommen und Staunen

Viel frischer Wind in Österreichs Weinszene und Küchen: Die junge Generation übernimmt. Philip Rachinger übernimmt die Küche des Familienbetriebs aus Hotel und Restaurant, wo er zuvor zusammen mit Vater Helmut stand. Er setzt beim ständig wechselnden Menü auf lokale und saisonale Zutaten und ungemein unverfälschte Zubereitung mit klarem Produktgeschmack. Gefühlt tausendmal probiert, hat sein Saibling mit Gurke Wow-Effekt durch Bittergurke und Minze. Nahezu ungesalzen pur danach einseitig gebratene, fast rohe Reinanke mit Blumenkohl, Mädesüß und Molke. Hier wird nicht am Anrichten mit Mittelchen gedoktert, gut sieht’s dennoch aus. Stattdessen natürliche Texturen und aromatische Klarheit. Wenn Rachinger Bachsaibling in einen austro-asiatischen Kontext setzt, liegt’s an Honigmelone, Hokkaidostücken und etwas Sojasauce, aus Wien. Read More

Revisited: Le Flair, Düsseldorf

Aus Liebe zum guten Produkt

In seinem Restaurant Le Flair im Düsseldorfer Neubaugebiet lotet Küchenchef Dany Cerf rund um beste Produkte mit sehr gutem Handwerk in seiner französisch geprägten Küche feine Nuancen aus. Dabei hat sich seit der Eröffnung 2014 viel getan – Zeit für einen erneuten Besuch.
Restaurant Le Flair Düsseldorf

SnacksRestaurant Le Flair Düsseldorf

Kleine Einstimmung

Die ist der zweite Besuch in diesem Jahr im Restaurant Le Flair in Düsseldorf. Der erste Besuch fand kurz nach der Eröffnung vor vier Jahren statt. Damals gab’s es gutes, aber nicht herausragendes Essen, das mit guter Produktqualität und feinem Handwerk überzeugte. Doch bereits der erneute Besuch im Frühjahr überraschte positiv, und jetzt setzt sich die gute Entwicklung weiter fort. Servierten Küchenchef Dany Cerf und seine Partnerin Nicole Bänder zu Beginn Bistro-Brasserie-Küche, hat sich nun der Wandel zum Restaurant vollzogen. Auch optisch: Nach einer kurzen Schließung folgte bereits neuen Design-Lampen und von Hans J. Wegener entworfenen Stühlen ein kompletter Facelift. In geschmackvollem Ambiente sitzt man nun im verglasten Ecklokal im Neubaugebiet wesentlich intimer, bequemer und vor Blicken geschützt.
Restaurant Le Flair Düsseldorf

Foie gras-Terrine mit Feigen, Portwein und Champignons

Restaurant Le Flair Düsseldorf

Bretonischer Steinköhler, Venere-Reis, HaddockRestaurant Le Flair Düsseldorf

Grafschafter Weinbergschnecken: Agnolotti, Parmesan, Liebstöckel Read More

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Pure C, Cadzand-Bad, Niederlande

Pure C – Programmatische Lautmalerei: So schmeckt’s in und nach Zeeland

Sergio Herman: Jetzt auch noch Hotelier

Warum diese Restaurantkritik über das Pure C mit einem Foto von einem Hotelzimmer beginnt? Im Strandhotel in Cadzand-Bad schreiten der Um- und Anbau voran. Beim Besuch war schon ein Teil der Zimmer bezugsfertig. Und das ist gut so, denn der häßliche Betonklotz war in die Jahre gekommen. Trotz direkter Strandlage, die es wegen Dünen überraschenderweise gar nicht so häufig in den Niederlanden gibt, war das Hotel bisher nicht so einladend. Zumindest das, was auf dem Weg zum stylischen und hellen Wintergarten-Anbau des von Sergio Herman Restaurants betriebenen Restaurants zu sehen war. Superstar Hermann ist jetzt auch unter die Hoteliers gegangen. Kaum steigt er aus dem Auto und eilt, das Frühstücksbüffet auf “fucking perfect” zu checken gibt’s Geraune, neugierige Blicke oder gleich Selfies mit dem NL-Kochsuperstar. Dann geht’s ins AirRepublic, um nach dem Rechten zu sehen, um am Abend schließlich die Hitze am Robata-Grill in der neueröffneten Tagesbar “Blueness” im Auge zu haben. Alles gestaltet vom Designer Piet Boon. Puristisch, modern und doch wieder Bauhaus-zeitlos. Nur über die dünnen Türchen im offenen Badezimmer sollte man nochmals nachdenken.

Passend dazu zieht der immer noch junge Küchenchef Syrco Bakker im Wintergarten die Zügel weiter an: Weniger Lunch-Services, reduzierte Gästezahl und, am wichtigsten: noch konsequenter und fokussierter gelingen Syrco Bakkers Gerichte rund um Produkte und Aromen der niederländischen Provinz Zeeland, die er gerne mit südostasiatischen Elementen kombiniert. Bei ihm ganz authentisch, denn Sergio Hermans langjähriger Zögling hat eine indonesische Mutter. Zu all dem passt kongenial der großartigen Blick über die Dünen auf Strand und Nordsee.

Pure C: Auster

Auster, Queller, Hierbas De Las Dunas

Pure C: Snacks

Hering, Rübe, Sakura und Muschel, Saure Sahne, Sanddorn, Beere

Pure C Bread: 

Brotauswahl

Meeräsche, Gurke, Messermuschel, Jalapeno Read More

Finns Wine & Kitchen, Düsseldorf

Finns Wine & Kitchen – Sven Nöthel kommt mit einer Weinbar nach Düsseldorf!

Am 15. Oktober 2018 eröffnete Finns Wine & Kitchen auf der beliebten und belebten Tannenstraße im Düsseldorfer Trendviertel Derendorf. Das Finns bietet montags bis samstags aufregende Gerichte und spannende individuelle Getränke. Mit dem Finns setzt Küchenchef Sven Nöthel mit dem „am Kamin“-Team in Düsseldorf in legerem und intimem Ambiente seinen individuellen Kochstil konsequent fort. Er präsentiert in der Rheinmetropole das „Beyond Sweetness“-Konzept rund um innovative alkoholfreie Getränke. Für seine Mutter und Patronin Heike Nöthel-Stöckmann bedeutet die Expansion der “am Kamin”-Aktivitäten eine Rückkehr nach Düsseldorf.

Mittags gibt’s im Finns wöchentlich wechselnd leichte und schnelle Gerichte mit saisonalem Schwerpunkt wie Kürbisrisotto mit Rucola und Gruyère oder Maultaschen gefüllt mit Flussfischen, Fenchel, Meerrettich und Bete oder Sauerbraten mit Rotkohl, Serviettenknödel und Rosenkohlblättern. Einen Karten-Stammplatz hat im Finns knackiger Wildkräutersalat mit Italian-, Swiss- oder Asian-Style-Dressing, kombinierbar mit hochwertigen Zutaten wie Ziegenkäse vom Demeter Tinthof aus Voerde, Büffelmozzarella von Büffelhof Kragemann in Bocholt, mit Koji gebeiztem Lachs oder saisonalen Pilzen. Read More

N°4, Buxtehude

Im Alten Land auf der Suche nach dem Saucengott

Vom Hamburger Hauptbahnhof braucht die S 3 bis Buxtehude 39 Minuten. Ortsfremden ist die überschaubare Hansestadt häufig wegen der 70er-Jahre Klamotte “Tante Trude aus Buxtehude” ein Begriff. Freunde ebenfalls leichter, doch weitaus ansprechenderer Kost kennen Buxtehude spätestens seit November 2017, als das Restaurant N°4 von Küchenchef Jens Rittmeyer im Navigare NSBhotel der NSB Reederei einen Michelinstern erhielt und auf der kulinarischen Landkarte auftauchte.

Niemand geringeres als der Saucengott soll in Buxtehude hausen. Mitten im Alten Land. Dort, wo es fruchtbare Böden gibt, wo auf vielen Obstbäumen Äpfel und Birnen prächtig gedeihen. Hier liegt der Biohof Ottilie, der neben mittlerweile bekannten Adressen aus dem Norden wie Marko Seibold oder Lars Odefey auf der Rückseite der Menükarte mit anderen Erzeugern gelistet ist  – gut so. Aus diesem reichen Fundus bedient sich Küchenchef Jens Rittmeyer im urigen Gewölbekeller mit Backsteinen und rechteckigem Bullauge mit Blick in die Kombüse. Aus seiner Küche nimmt Steuermann Jens Rittmeyer die Gäste mit auf seine “Nordische Reise” und bleibt inhaltlich auf Kurs seiner während seiner Zeit im “Kai 3” auf Sylt eingeschlagenen Route.

Los ging’s bei “Der Anfang” mit einem Feuerwerk von Kleinigkeiten. Knackig, frisch, herb, natürlich, saftig, animierend: ein ganzer Adjektivschwall zeichnete Rettichtasche mit Senfkohl-Füllung und Pumpernickel-Crumble und, ein bisschen wie Omas Salat, Kopfsalat mit Eisenkrautvinaigrette und Kartoffelknusper aus. Es folgten getrockneter Schwarzkohl mit einer Leindotteröl-Emulsion und mild geräuchertes, wachsweiches Wachtelei. Beim Buchweizentartellete mit Zucchini und Kohlstängeln und getrockneten Steinbuttrogen dockte das fischige Aroma wunderbar an das Gemüse an, bis sich die Nussigkeit des Knöterichgewächses lang durchsetzte. Herzhaft und kräftig, dabei kräutrig definiert war die wunderbare Lammbratwurst mit Purple Tepee (Blaue Buschbohne) von Kerstin Hintz Biohof Ottilie. “Unser Blick aufs Wattenmeer” war zugleich ein Rückblick auf Jens Rittmeyers Sylter Zeit. Dem Koch aus Halle an der Saale, der von sich sagt, er brauche Wasser in seiner Nähe. Zu Sylter Miesmuscheln kombinierte er Nordsee-Taschenkrebs und Kaisergranat aus Dänemark sowie Seegras. Fehlen durfte natürlich nicht eine intensive Muschelsauce. “Ohne Sauce kein Vergnügen”, lautet das Motto des 43-jährigen Saucenfans. So ließe sich streiten, ob es sich hier um eine inhaltsschwere Fischsuppe mit reichhaltiger Einlage oder ein süffiges Meeresfrüchtegericht handelte. Fest steht, dass es aromatisch wuchtig, doch differenziert natürlich und transparent zuging. Mit auf den Punkt gegarten Zutaten und starker jodiger Länge. Das zählt. Read More